Der Igel

 

Eigentlich sollte man meinen, dass die Igelhochsaison im Spätherbst oder im Winter beginnt, aber im Tierheim Höchstädt und in den Igelstationen werden in der Zwischenzeit versucht, ganzjährig die geschützten Wildtiere abzugeben. Johann Rechthaler, Vorstand vom Tierschutzverein für den Landkreis Dillingen e.V., weist noch mal eindringlich darauf hin, dass Igel unter Artenschutz stehen. Menschen, die einen Igel ohne triftigen Grund aus der Natur entnehmen, machen sich strafbar.

Igel sind sehr ortsgebunden. Und hier beginnt die eigentliche Problematik: Entnimmt man einen Igel aus seinem gewohnten Lebensraum, nimmt man ihm unter Umständen die Chance auf lebensfähigen Nachwuchs. So werden Igelbabies zu spät ins Jahr hinein geboren, weil die in menschlicher Obhut überwinterten Elterntiere in einen neuen, völlig unbekannten Lebensraum gesetzt werden und kaum die Möglichkeit haben, rechtzeitig in der Paarungszeit einen Partner zu finden.

So wird der Nachwuchs wiederum von "Tierfreunden" aufgesammelt und ins Tierheim oder die Igelstation gebracht, weil diese Tiere im Herbst das imaginäre Gewicht von 400 Gramm noch nicht erreicht haben. Ein Teufelskreis also. Auch wissen die meisten nicht, dass ein Igel gut und gerne innerhalb von einer Woche 50 Gramm an Lebensgewicht zunehmen kann. Bei einer eventuellen optimalen Zufütterung in seinem Lebensraum können es bis zu 80 Gramm pro Woche sein. “Jedes Jahr erklären wir den vermeintlichen "Rettern" von Igeln geduldig, dass sie die geschützten Wildtiere wieder dahin bringen sollen, wo sie sie gefunden haben. Doch dies stößt natürlich meist auf Unverständnis“, berichtet Frau Barbara Wolf, die Tierheimleiterin aus ihrer langjährigen Erfahrung. So beginnt der Kreislauf von neuem:

Igel aus der Natur entnommen – Igel nach dem Überwintern wieder zurück in die Freiheit gesetzt – Igel findet zu spät einen Paarungspartner, weil er in ein fremdes Gebiet gesetzt worden ist – Igelkinder kommen zu spät auf die Welt, werden eingesammelt und ins Tierheim oder in die Igelstation gebracht - . . .

Also bitte nochmals, helfen Sie nur dann, wenn:

Ein Igel krank oder verletzt ist, dies jedoch sollte unbedingt von einem Tierarzt festgestellt werden.

Ein Igel im Winter bei Eis und Schnee tagsüber unterwegs ist, aber auch nicht, wenn es gerade getaut hat und die Temperaturen schnell angestiegen sind.

Das Gewicht des Igels im Spätherbst (Ende November/ Anfang Dezember) bei entsprechenden frostigen Temperaturen weit unter 600 Gramm liegt.

 

So kann Igeln sinnvoll geholfen werden:

Haben Sie einen Garten, dann lassen Sie eine Ecke für Wildtiere "unaufgeräumt". Ein paar Brennnesseln, ein paar Gehölze, viel Laub und eventuell etwas Stroh können schon ein Winterquartier für einen Igel sein.

Füttern Sie eventuell zu, Igelfutter aus dem Fachgeschäft, Katzentrockenfutter oder Katzen- und Hundenassfutter, in Wasser eingeweichte Haferflocken und eine kleine, flache Schüssel mit Wasser können einem Igel schnell auf sein Gewicht von 400 Gramm verhelfen. Bitte geben Sie in keinem Fall Milch, dies führt sehr häufig zu Durchfall.

 

Weitere Informationen finden Sie im Internet auf der Homepage www.igelsos.de.